Strandgut

Jedes Jahr bringe ich mir etws davon aus dem Urlaub mit. Eine besondere Muschel. Ein schöner Stein. Ein Stück Holz, an dem das Meer seine Spuren hinterlassen hat. Strandgut eben. Eigentlich ist es wertloses Zeug. Es hat Risse oder Macken und ist zu nichts meht zu gebrauchen.

Doch ich lege es mir hin, auf meinen Schreibtisch, und erinnere mich an schöne Tage am Strand, an Fußbäder in den Wellen, Sonnencreme mit Sandpeeling auf der Haut und herrlichen Wind um die Nase. Ich erinnere mich an die Zeit ohne Uhr, ohne Dinge, die unbedingt rfüllt sein müssen, damit man am Abend sagen kann: Dieser Tag war erfolgreich! Ich habe viel geschafft. Ich erinnere mich an wichtige Dinge des Lebens: Ruhepausen und Gemütlichkeit. Ich erinnere mich daran, jeden Tag als etwas Besonderes anzusehen.

Und so bekommt das brüchige Perlmutt in der Muschel vor mir einen ganz eigenen Wert. Ich tauche ab in das Geheimnis des Lebens, das sich für mich in wenigen Worten zusammenfassen lässt, die Jesus zu uns sagt: ,,Ich lebe und ihr sollt auch leben." Leben. Einfach leben. Leben zur Freude Gottes - kann man noch hinzufügen. Darum bin ich auf der Welt. Das ist der Sinn meines Lebens.

Doch diesen Sinn zu erfüllen,ist nicht immer leicht: Manchmal bedeutet das: Mehr Ruhe reinzubringen in den Alltag und sich nicht von Arbeit und Verpflichtungen total vereinnahmen zu lassen. Manchmal bedeutet es: Mehr Kraftquellen zu suchen, Inspiration und Mut. Manchmal bedeutet es: Nicht alles so wichtig zu nehmen, was laut und groß daher kommt und unbedingte Aufmerksamkeit von einem fordert, sondern die Schönheit und die Wichtigkeit im Kleineren zu suchen.

Ich nehme die kleine Muschel in die Hand, die auf meinem Schreibtisch liegt und drehe sie ein wenig zum Licht. An was ein Stück Strandgut alles rinnern kann! Toll. Danke, Gott, dass Du mich diese Muschel hast finden lassen.

Herzliche Grüße

Ihre Pfarrerinnen Esther Witte und Mirjam Philipps